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Das Handwerk fühlen statt sehen :: Homepage - Region

Das Handwerk fühlen statt sehen Beim Tag der offenen Tür des Blinden- und Sehbehindertenbundes zeigt Thomas Preischl, wie man trotz Handicap schreinern kann. Die Arbeit ist gefragt. Bild 1 von 3

Uhren Zusammen mit anderen Blinden oder Sehbehinderten baut Thomas Preischl unter anderem kleine Züge aus Holz. Fotos: Davina Lang

beste Replik-Uhren Von Davina Lang, MZ Regensburg. Zuhause nennt ihn den Familie liebevoll den „Hausschreiner“. Ob das Anfertigen eines Dreirads aus Echtholz für den Neffen oder das Verlegen des Nussbaumbodens im Schlafzimmer der Mutter: „Kann ich nicht, gibt es nicht“, lautet das Motto von Thomas Preischl. Handwerken ist das leidenschaftliche Hobby des 47-Jährigen. Dabei gibt es ein entscheidende Eigenschaft, die ihn von anderen Freizeit-Heimwerkern unterscheidet: Preischl ist seit 25 Jahren blind.

gefälschte Uhren „Das Tischlern hat mich zurück ins Leben geholt“, erzählt Thomas Preischl am Tag der offenen Tür des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB). Als der gebürtige Amberger durch eine Diabetis-Erkrankung mit jungen 22 Jahren erblindete, fiel er zunächst in ein Loch. Durch den Beitritt in den Blinden- und Sehbehindertenbund und die damit verbundene Begegnung mit anderen Menschen mit Sehschwäche, erfuhr er von einem älteren Herren, der trotz des Handicaps die Holzdecken seines Hauses anfertigte und verlegte. „Wenn dieser ältere Herr das kann, dann kann ich das auch“, dachte sich Preischl damals. Angefangen mit einer detailreichen Holzkrippe, sägt und montiert der begeisterte Hobbyschreiner seither in der eigenen Werkstatt.

Ein sprechendes Maßband

Replik Schweizer Uhren Zum zehnjährigen Jubiläum des Begegnungszentrums für Menschen mit Sehschwäche, führt Preischl in den Räumlichkeiten der Bezirksgruppe des BBSB Interessierte an das Schreinern ohne Sehkraft heran. Wer mochte konnte seine eigenen Fähigkeiten testen und bereits vorbereitete, noch in Einzelteile zerlegte Stücke, selbst zu einer kleinen Holz-Lok zusammenbauen. Auch sehende Personen durften mit Hilfe einer Simulationsbrille ihre handwerkliches Geschick testen.

Replik-Uhren „Ich benutze die gleichen Instrumente und Maschinen wie ein sehender Mensch“, sagt er. Sogar die Bedienung einer Kreissäge ist für den blinden Hobby-Schreiner kein Problem. Zur selbstständigen und millimetergenauen Abmessung von Material oder Raum benutzt Preischl Sehhelfer wie ein sprechendes Maßband oder einen Zollstock mit Blindenmarkierungen. Er besitzt auch eine akustische Wasserwaage.

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gefälschte Uhren Thomas Preischl präsentiert eine seiner Holzkrippen.

Neben solchen speziellen praktischen Helfern, profitieren Blinde und Sehbehinderte heute von vielen weiteren Hilfsmitteln. Tägliche Sehhilfen sind elektronische Lesesprechgeräte, vergrößernde Sehhilfen wie Lupen oder Schreibhilfen, Plastik-Schablonen für den Geldbeutel zum Erkennen von Scheinen oder Münzen sowie Uhren mit Zeitansage oder tastbarem Ziffernblatt.

Blindenhilfsmittel vorgestellt

Beim Tag der offenen Tür der Bezirksgruppe Oberpfalz des BBSB durften die Besucher Bildschirm- und Vorlesegeräte oder elektronischen Lupen testen. Außerdem wurden viele innovative Blindenhilfsmittel vorgestellt.

Neben dem klassischen Blindenstock bieten heute zahlreiche moderne Sehhelfer wie sprechende Küchenwaagen, Handys mit Sprachsoftware oder blindengerechte Brettspiele ein angenehmeres und unabhängigeres Leben. „Auf meinen Farberkenner möchte ich nicht mehr verzichten“, sagt Angelika Zugschwert, die aufgrund einer Zyste am Sehnerv noch vor ihrem 20. Lebensjahr komplett erblindete. „Das Gerät unterscheidet sogar einzelne Farbnuancen. So lassen sich beispielsweise verschiedene Sockenpaare leicht ordnen.“

Angelika Zugschwert lebt fast komplett ohne fremde Hilfe, arbeitete bis zum Antritt der Rente als Floristin. Lediglich zweimal die Woche kommt eine Helferin der Caritas und geht ihr bei der Hausarbeit etwas zur Hand. Den Weg von Schwandorf nach Regensburg bewältigt sie gemeinsam mit ihrer Freundin Gisela Schuster, die selbst gehbehindert und stets im Rollator unterwegs ist. „Wir sind oft zu zweit auf Achse“, erzählt sie lachend. „Dann hänge ich mich einfach hinten ran und los geht es.“ Das Selbstbewusstsein der blinden Freundin findet auch Gisela Schuster immer wieder verblüffend: „Manchmal vergesse ich tatsächlich, dass sie nicht sehen kann“.

„Nicht zu Hause verstecken“

Am Beispiel von Thomas Preischl und Angelika Zugschwert zeigt sich, dass ein Leben mit Behinderung genauso lebenswert sein kann, wie eines ohne. „Das wichtigste ist, dass man sich nicht einfach zu Hause versteckt, sondern etwas unternimmt“, meint Zugschwert. Während Thomas Preischl das Tischlern für sich entdeckte, arrangiert die Schwandorferin Blumengestecke, näht Sofakissen oder singt im städtischen Chor. Einen gemeinsamen Wunsch haben beide: Dass mit ihnen umgegangen wird, wie mit jedem sehenden Menschen auch.

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